Die Romanische Kapelle in Weitersdorf

 

Die kleine Ortschaft Weitersdorf, die nach Überlieferungen nie mehr als 15 Einwohner hatte, birgt ein architektonisches Juwel: die romanische Kapelle Weitersdorf. Diese Missionskirche, deren Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, befindet sich am westlichen Rand des Dorfes und blieb über die Jahre weitgehend unverändert. Im 17. Jahrhundert wurden lediglich Emporen eingebaut.

 

Die Geschichte der Kapelle

Die Weitersdorfer Kapelle hat eine bewegte Geschichte. Nach der Reformation wurde sie evangelisch genutzt, doch im 20. Jahrhundert stand sie lange Zeit leer. Erst 1996 fand wieder ein Gottesdienst statt, allerdings dieses Mal katholisch. Im Jahr 2008 führte Weihbischof Reinhard Hauke aus Erfurt zum ersten Mal seit der Reformation wieder einen katholischen Gottesdienst in dieser Kirche durch.

Ein besonderes Highlight der Kapelle ist der alte Taufstein, der bis heute bewundert werden kann. Auch die Glocke der Kirche hat eine interessante Geschichte. Angeblich wurde sie vom Rudolstädter Fürsten persönlich gespendet, um an den Tod des berühmten Dichters Friedrich Schiller zu erinnern.

Die massive Kirchentür trägt eine Inschrift, die zum Innehalten und Nachdenken anregt: „Oh Wanderer halt an, sieh und betrachte, ob Deine Liebe der meinen in etwa gleich.“

Architektur und Ausstattung

Die Weitersdorfer Kapelle besticht durch ihre romanische Architektur. Der Grundriss zeigt die typische Staffelung der spätromanischen Dorfkirchen in Thüringen. Das Langhaus misst 7,5 Meter in der Länge und 5,5 Meter in der Breite, während das Chorrechteck östlich anschließt und eine Größe von 2,8 Meter mal 3,5 Meter hat. Den Abschluss bildet eine halbrunde Apsis mit einer Breite von 2,5 Metern.

Die Kirche wurde aus Großquadern errichtet und besitzt einen abgestuften Westgiebel. Die West- und Nordseite sind fensterlos. An der Ostseite der Apsis findet man noch heute kleine Vierpassfenster, die aus romanischer Zeit stammen. Ein Rundbogenfenster befindet sich an der Südseite des Altarraumes.

Im Jahr 1644 erhielt die Kapelle eine neue Ausstattung. Der Chorteil wurde mit einer tonnenförmigen Holzdecke versehen und das Obergeschoss des Chorrechtecks in Fachwerkbauweise erhöht. Dadurch überragt der Dachfirst des Chores heute das Langhaus. Ebenfalls im 17. Jahrhundert erhielten Langhaus und Chor größere Fenster, und der Fachwerkgiebel wurde errichtet.

Die Nutzung der Kapelle

Die Weitersdorfer Kapelle wurde im Laufe der Jahrhunderte sowohl von der katholischen als auch von der evangelischen Kirche genutzt. Vor der Reformation fanden hier katholische Gottesdienste statt, danach wurde die Kapelle evangelisch. Erst 2008 kehrte mit Weihbischof Reinhard Hauke ein Bischof der katholischen Kirche zurück und zelebrierte einen Gottesdienst in der Kapelle.

Die Kapelle kann besichtigt werden, jedoch sollten die Besichtigungszeiten vorab telefonisch vereinbart werden. Die genauen Koordinaten der Kapelle lauten: DD 50.760601, 11.351715.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Wer die Weitersdorfer Kapelle besucht, sollte auch die umliegenden Sehenswürdigkeiten erkunden. In der Region Saalfeld-Rudolstadt gibt es zahlreiche Wanderungen, die entlang des Lutherwegs führen. Eine empfehlenswerte Tour ist die Etappe 31, die von Großkochberg nach Orlamünde führt. Diese mittelschwere Wanderung erstreckt sich über eine Strecke von 16,6 Kilometern und bietet einen Aufstieg von 238 Höhenmetern.

Eine weitere interessante Wanderung ist die Rundwanderung um Kochberg. Diese Tour führt über eine Strecke von 6,7 Kilometern und ermöglicht einen atemberaubenden Blick auf das Schloss Kochberg, das einst als Landsitz von Charlotte von Stein genutzt wurde.